In Bangkoks historischer «Snake Farm» läuft jeden Morgen ein medizinisch hochrelevanter Prozess ab: Spezialisierte Mitarbeiter extrahieren Gift aus hochgiftigen Monokelkobras - ein Vorgang, der als «Melken» bezeichnet wird. Rund zwei Dutzend Zuschauer verfolgen, wie das gelbliche, zähflüssige Gift in einen Glasbehälter tropft. Mitarbeiter leiten jeden Tropfen sofort weiter, um lebensrettendes Gegengift herzustellen - dringend benötigt in einer Region, in der Schlangen jährlich Hunderttausende Menschen beißen.
Der Prozess wirkt gefährlich und präzise zugleich: Ein Mitarbeiter fixiert den Kopf der rund eineinhalb Meter langen Kobra hinter dem Schädel. Die Schlange beißt in eine dünne Plastikfolie über dem Glasgefäß. Der Biss presst das Gift aus den Drüsen hinter den Augen durch die Fangzähne. «Das Gift ist entweder durchsichtig oder gelblich, und es beinhaltet eine komplexe Mischung aus Toxinen und Enzymen», erklärt eine Tafel im angegliederten Museum. Das Gift der Monokelkobra zerstört Gewebe und kann unbehandelt tödlich sein.
Die Zahlen machen die Dringlichkeit deutlich: In Südostasien beißen Schlangen jährlich Hunderttausende Menschen. Über 15.000 Menschen sterben, fast 1.000 verlieren Gliedmaßen durch Amputationen. In Thailand allein registriert die Weltgesundheitsorganisation etwa 10.000 Bisse pro Jahr, besonders in ländlichen Gebieten. Dank guter medizinischer Versorgung sterben jedoch weniger als 30 Menschen jährlich. Von den über 250 Schlangenarten in Thailand sind etwa 60 giftig.
Vom Gift zum Gegengift
«Jeder Tropfen Gift, den wir heute von den Monokelkobras extrahieren, wird an die Abteilung für die Herstellung von Antivenom geschickt», erklärt ein Experte den Zuschauern. Der Prozess dahinter ist komplex: Wissenschaftler impfen robuste Tiere wie Pferde im Laufe der Zeit mit kleinen Mengen des Toxins - ein Verfahren namens Hyperimmunisierung. Die Tiere bilden Antikörper, die Forscher aus ihrem Plasma gewinnen und reinigen.
Die Weltgesundheitsorganisation betont: «Die verschiedenen Schlangenarten haben eine sehr unterschiedliche Giftzusammensetzung, weshalb zur Behandlung jeweils spezifische Gegengifte benötigt werden.»
In der Snake Farm behandeln Experten verschiedene Gifttypen: Hemotoxische Gifte von Vipern stören die Blutgerinnung und schädigen Gewebe.
Neurotoxische Gifte von Kobras und verwandten Arten verursachen Lähmungen und können zum Atemstillstand führen.
Die Blaugebänderte Krait, ebenfalls in der Einrichtung gehalten, beißt fast unbemerkt - das Gift gelangt lautlos in den Blutkreislauf und wirkt oft innerhalb von Stunden tödlich.
Tradition und Innovation
Das Queen Saovabha Memorial Institute (QSMI) betreibt die «Snake Farm». Es ist die zweitälteste Einrichtung dieser Art weltweit. Das Institut eröffnete 1923, nur das brasilianische Instituto Butantan ist älter und stammt aus dem Jahr 1901. Das zum Thailändischen Roten Kreuz gehörende Institut züchtet seit 1994 selbst Schlangen, um laut eigener Website «eine stabile, gesunde und artengesicherte Quelle für Schlangengift zur Herstellung von Antivenom zu sichern».
Die Weltgesundheitsorganisation lobt die unverzichtbare Rolle des QSMI bei der Antiserum-Produktion und die strikte Einhaltung internationaler Standards.
Kritiker warnen jedoch vor erheblichem Tierleid durch den Hyperimmunisierungs-Prozess.
Forschungsteams weltweit arbeiten an Alternativen: Synthetische Gegengifte könnten künftig Gifte ganzer Schlangengruppen neutralisieren.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.










