Thalia Theater simuliert AfD-Verbotsverfahren mit 30 Experten

upday.com 4 godzin temu
In dem fiktiven Prozess wird über ein Verbot der AfD verhandelt. Fabian Hammerl/Thalia Theater/dpa

Das Thalia Theater in Hamburg startet einen fiktiven Prozess gegen die AfD. Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert über drei Tage eine künstlerische Version eines möglichen Verbotsverfahrens gegen die rechtspopulistische Partei – mitten in der aktuellen politischen Debatte über ein echtes AfD-Verbot. Etwa 30 Experten und Juristen debattieren unter der Leitung der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) über die Natur der Partei und die Folgen eines Verbots.

Statt Schauspielern mit Drehbuch argumentieren Fachleute in dem Projekt. Das Projekt heißt «Prozess gegen Deutschland». Das Thalia Theater überträgt das gesamte fiktive Gerichtsverfahren live auf seiner Website. Am Wochenende folgen vier weitere Termine, bevor am Sonntagnachmittag eine Hamburger Jury ein Urteil verkündet.

Zu Beginn der Inszenierung fragte Rau: «Was genau ist die Alternative für Deutschland, die uns die AfD anbietet? Wollen wir diese Alternative, und falls nicht: Sollen wir sie dann nicht verhindern?» Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) sagte in seiner Eröffnungsrede: «Ich hoffe, dieser Prozess wird uns helfen, uns der Bedeutung und der Schutzwürdigkeit unserer Demokratie neu zu versichern.»

Unter den Teilnehmern sind die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry, die frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Joanna Cotar (inzwischen parteilos) und der Publizist Harald Martenstein. Für die Schlussplädoyers hält unter anderem der CDU-Politiker und TV-Moderator Michel Abdollahi ein Plädoyer.

Politische Debatte im Hintergrund

Die künstlerische Inszenierung fällt in eine Phase intensiver politischer Auseinandersetzung. Die AfD führt derzeit deutlich in Umfragen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die Partei als «gesichert rechtsextrem» eingestuft – diese Einstufung ruht allerdings wegen laufender Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Köln. Die Hamburgische Bürgerschaft forderte den rot-grünen Senat kürzlich auf, sich für eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einzusetzen.

SPD und Grüne unterstützen die Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD. Die Union warnt dagegen, ein Verbot könne der Partei nutzen.

Raus globaler Ansatz

Im Interview mit dem «Hamburger Abendblatt» erklärte Rau sein Anliegen: «Wir beobachten das in vielen Ländern: Der Trend geht weg von der liberalen, institutionellen Demokratie zur autokratischen Tech-, Gas-, Öl-, Agrar- bzw. Oligarchie. Dem wollen wir auf den Grund gehen.» Es gehe ihm nicht nur um ein AfD-Verbotsverfahren: «Wir versuchen zu verstehen, was die Wurzeln im Rechtsradikalismus und schließlich ersten Faschismus sind.»

Der studierte Soziologe und selbsterklärte Linksradikale ist seit 2023 Intendant der Wiener Festwochen. Mit seinem «Prozess»-Format hat er sich bereits politischen Themen in anderen Ländern gewidmet – 2013 initiierte er die «Moskauer Prozesse», 2015 das «Kongo Tribunal» mit 60 Zeugen und Experten. In Hamburg inszeniert Rau erstmals in Deutschland mit diesem Format. Die Inszenierung bildet den Abschluss der Hamburger Lessingtage, eines international ausgerichteten politischen Kunstfestivals.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

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